In der Gabelsberger Straße 20 bauen wir derzeit Wohnheim für Studierende, das das Qualitätssiegel nachhaltiges Gebäude (QNG) erhalten soll. Unverzichtbar für die staatliche Förderung für nachhaltige Gebäude! Für die Zertifizierung wird ein unabhängiger zugelassener Dienstleister beauftragt, der die Einhaltung der Vorgaben bzgl. Nachhaltigkeit prüft. Dieser besucht auch in regelmäßigen Abständen die Baustelle, um die allgemeine Umsetzung und die Verwendung der einzubauenden nachhaltigen Bauprodukte zu prüfen. Zur Vorbereitung auf diese Begehung führen wir vorab bereits eine interne Vorbegehung durch. Das übernimmt unser Nachhaltigkeits-Team, bestehend aus unserem Betontechnologen Tobi und unserem Statiker Bernd. Gemeinsam mit der dortigen Bauleitung Waldemar machen sie einen Rundgang über die Baustelle und prüfen die verwendeten Baumaterialien auf Schadstoffvermeidung.
“Es gibt einen ganzen Katalog an Vorgaben, die wir für die Zertifizierung erfüllen müssen”, erklärt Bernd. “Bei Baustellenbegehungen nehmen wir alles genau unter die Lupe und gleichen die erbrachte Leistung mit dem QNG-Anforderungskatalog ab.”
Dieser Anforderungskatalog beinhaltet Regeln und Vorgaben zu verwendeten Bodenbelägen, Kleb- und Dichtstoffen, Beschichtungen, Dämmstoffen, etc. Für jede Gruppe von Bauprodukten sind spezielle Schadstoffkriterien aufgelistet, die geprüft werden. Diese werden dann mit der jeweiligen Produkt-, Sicherheits- und Nachhaltigkeitsdatenblättern abgeglichen. Häufig kommt es vor, dass die Einhaltung dieser Vorgaben direkt beim Hersteller angefragt werden müssen. Eine besondere Herausforderung ist der Umstand, dass die beteiligten Nachunternehmer oft für dieses relativ neue Thema sensibilisiert werden müssen und die verwendeten Bauprodukte vor Verwendung erst im Zuge der Nachhaltigkeitsprüfung freizugeben sind.
Was steckt genau hinter der Zertifizierung?
Das QNG-Siegel bestätigt die nachhaltige Qualität von Gebäuden. Diese Qualität wird anhand verschiedener Bereiche überprüft, die sich über den gesamten Bauzyklus erstrecken. “Es geht darum, wie nachhaltig wir – zuerst mit dem Bau, aber dann auch während des Betriebs – mit Ressourcen umgehen, wie wirtschaftlich ein Projekt über die gesamte Nutzung des Gebäudes ist und wie es die Lebensqualität der Bewohner*innen beeinflusst”, weiß Bernd. Nachhaltigkeit muss auch über die Lebensdauer eines Gebäudes hinaus gewährleistet sein, z. B. wenn es um die Recylingmöglichkeit der Baustoffe geht.
Was die zu verwendenden Bauprodukte angeht, haben wir klare Vorgaben: “Bodenbeläge, Beschichtungen, Dämmstoffe etc. dürfen bei Schadstoffen gewisse Grenzen nicht überschreiten”, erklärt Bernd.
Wie sieht das im Detail aus?
Für die Nachhaltigkeit der verwendeten Baustoffe zeigt uns Bernd auch direkt ein Beispiel: “Jedes der Apartments verfügt über eine abgetrennte Nasszelle. Für die Wände wäre Beton die kostengünstigere Alternative, aber aus Gründen der Nachhaltigkeit haben wir Holz verbaut.” Beim restlichen Bauwerk haben wir, sofern aus technischen Gründen möglich, auf recycelten Beton gesetzt. Außerdem setzt das Gebäude bei der Wärmeversorgung auf eine PV-Anlage & zwei Wärmepumpen und ist dadurch bzgl. Energieversorgung Heizung und Warmwasser frei von fossilen Brennstoffen.
Für die Zertifizierung ist eine lückenlose Dokumentation der verwendeten Bauprodukte – Produktname, Hersteller, Menge & Einsatzort – notwendig. “Ein ziemlicher Aufwand”, grinst Bernd. “Aber am Ende lohnt es sich: Für uns, für die Bewohner*innen und nicht zuletzt für die Umwelt.”